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Hallo liebe Besucher dieser Webseite. Hier möchte ich meine Artikel und Übersetzungen vorstellen. Diese Seite habe ich Kimerioni benannt. Dies hat zwei Gründe: zum einen war es ein Künstler- Café Anfang des 20. Jahrhunderts in Tbilissi und zum anderen ist es näher zu meinem Familiennamen.

Hier ist eine kleine Geschichte über das oben genannte Cafés.

Café «Kimerioni»: Erinnerungen von Lado Gudiaschwili *

In Tbilissi gab es viele schöne Treffpunkte, die man Cafés nannte. Das Interessanteste von ihnen war «Kimerioni». Dieses Café befand im unteren Foyer des Rustaweli Theaters. Es wurde auf Initiative der Gruppe «Blauhörner»** eröffnet. Zu den Sorgen, die ich in meinem Leben hatte, gehörte auch die, dass dieses wunderbare Kunstdenkmal (hiermit meine ich die bemalten Wände von «Kimerioni») ganz spurlos verschwunden und verloren gegangen ist.

Dort fanden literarische Veranstaltungen statt, auf denen Schriftsteller ihre neuen Werke lasen. Ebenso traten dort Sänger und Tänzer auf. Dieses Café war im großen und ganzen sehr schön. Zwischen den Fontänen liefen Rehe frei herum. Manchmal griffen sie nach Kräutern, die auf den Tisch lagen.

Um dem Café mehr Schönheit zu geben, haben wir uns entschlossen, seine Wände nach dem Prinzip der Freskenmalerei zu bemalen. Zu der Zeit befand sich in Tbilissi der bekannte russische Maler Sergei Sudeikin. Er hat Petersburg bereits vor der Revolution verlassen. Dann ist er den georgischen Künstlern näher gekommen. Die ganzen Tage hat er mit uns verbracht. Er hat auch seine Bilder ausgestellt und viele Bilder über Tbilissi und Georgien geschaffen. Zum Schluss ist er nach Paris gegangen.

Auf Paolos*** Initiative hat Sudeikin auch an den Malarbeiten teilgenommen. Er hat die linke Seite bemalt, wo die Treppen nach unten zum Café führen. Sein Thema war «Georgische Dichter» und Episoden aus dem Leben des alten Tbilissi. Er hat auch sein Bildnis gezeichnet.

Alle arbeiteten mit Begeisterung und großem Spaß. Die gegenüberliegende Wand habe ich mit «Stepkos Kneipe»und « Der Fuchs als Wächter » bemalt. Die Innenwände wurden von David Kakabadse bemalt. Das Thema seiner Bilder: Frühling. Die Restwände haben Kirile Sdanewitsch und der polnische Maler Sigmund Walischewski bemalt.

Im Café «Kimerioni» wurden auch Bilder ausgestellt. Ich kann mich gut erinnern: einmal fand eine Ausstellung unter dem Motto «Bilder der schönen Frauen von Tbilissi» statt. Es gab viele Menschen, deren Wunsch es war, ihre Bilder auszustellen. Die Dichter wurden auch inspiriert und haben spontan Gedichte geschrieben, unter denen die besten immer die von Paolo waren.

Im Café gab es auch Auktionen. Der gesamte Erlös ging dann an die Vereinigung. Sehr interessant waren auch Bälle, auf denen die schönsten Frauen zu Königinnen gekürt wurden. Es sah so aus, als ob das alles nur Unterhaltung wäre. Das war aber nicht nur Unterhaltung. Diese Veranstaltungen und Abende haben eine sehr große Rolle gespielt. Sie haben dazu beigetragen, dass sich die damalige Kunstszene entwickeln und ihre nationalen Positionen sichern konnte. Man kann sagen, dass es der einzige Ort war, an dem sich Künstler und Dichter versammelten. Ich sehne mich sehr oft nach der Stimmung und Inspiration, die es in Café «Kimerioni» gab.

* Lado Gudiaschwili (1896 – 1980) – einer der bekanntesten Maler des 20. Jahrhunderts

** Blauhörner – eine Gruppe junger georgischer Schriftsteller / Dichter, gegründet in 1915.

*** Paolo Iaschwili (1894 – 1937) – bakannter georgischer Dichter, gehörte der Gruppe der «Blauhörner» an