Kimerioni

Übersetzer = Verwegene Kämpfer, die den Turm von Babel angreifen. Albert Camus

Flüchtling

Übersetzung: Irma Berscheid-Kimeridze
Nachdichtung: Thomas Berscheid

Unglücklich, trostlos, Flüchtling in fremde Erde gegossen,
Sünder mit Gewalt, gesteinigt, getreten mit Füßen.
Finde keinen Schlaf. Mutter, Frau und Kind sind genommen,
Blut vergossen, ganz aus dem Leben fortgekommen.

Immer traurig, schwarze Gedanken mich umrunden,
Hände gefesselt, angekettet und festgebunden.
Nerven verloren, vor Gott gefallen auf Knien, Enthäutet,
ausgebrannt, ergeben zum Dienen.

Über das Schicksal verärgert, vom Weg abgekommen, wo ich mich hinwende?
Leid auf Rücken getragen, von einem zum anderen Ende.
Bin allen ausgewichen, fast hat es mich in den Abgrund gerissen,
keine Ruhe allerseits, soll ich denn bittere Tränen vergießen?

Ich gehöre zu niemandem, stehe auf Menschenliste nicht,
wessen Stiefsohn bin ich? Finde keine Gemeinde, die für mich spricht.
Ich bin nichts, werde immer Feind für dieses Land sein,
bin Staub der Erde, stimme nicht mehr ins Lied der Liebe ein.

Kleinigkeiten meines Lebens hat man durcheinander gebracht,
ein anderes Gesetz angekündigt, mich lebend stöhnen gemacht.
Türme der Erleichterung zerstört, einen anderen König mit dem Thron bedacht,
mich ins Fremde vertrieben, ein Feuer entfacht.

Ich bin unglücklich, trostlos, Flüchtling in fremde Erde gegossen,
Sünder mit Gewalt, gesteinigt, getreten mit Füßen.
Bin schlaflos, habe weder Mutter, noch Frau und Kind, T
ränen vergossen, vom Leben getadelt, ganz ausgelöscht und blind.

Sa, Juli 10 2010 » Deutsch